Doch, das geht! Man kann Veränderungen von Wetter, Klima und Natur im Weinviertel selbständig und fast überall feststellen und sogar messen. Ganz ohne Strom, ganz ohne Computer. Wenn Sie wissen möchten, wie das mit heimischen Heckensträuchern geht und wenn Sie Freude an der Naturvermittlung haben, sind sie bei der kostenlosen Ausbildung zum „Weinviertler Phänoguide“ goldrichtig. Die KLAR! Südliches Weinviertel hat es nämlich geschafft, Topexperten der GeoSphere Austria und Naturspezialisten von LACON für die kostenlose Ausbildung zum „Weinviertler Phänoguide“ zu gewinnen.
Für maximal 10 Personen besteht von April bis September 2025 die exklusive Möglichkeit, Know-How und Fertigkeiten zur Naturbeobachtung im Jahreslauf, der Klimamessung mit Pflanzen und der Veränderung von Wetter und Klima zu bekommen. Kern der Ausbildung ist die spielerische und praktische Erlernung von Techniken und Fertigkeiten der ältesten menschlichen Forschungsdisziplin, die es überhaupt gibt, der sog. Phänologie. Die „Phänologie“ beschäftigt sich mit den periodisch wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen von Pflanzen und Tieren. Dazu gehören auch für Laien gut erkennbaren Erscheinungen wie beispielsweise die Blattentfaltung, Blüte, Fruchtreife, Blattverfärbung, der Vogelzug oder auch das erste Auftreten von Insekten wie Bienen oder Schmetterlinge im Garten und der Natur.
Als Phänoguide verfügt man nach Ende der Ausbildung über fundierte Grundkenntnisse zu Klimawandel und Klimaveränderungen im Weinviertel. Man weiß, dass das Naturjahr 10 statt 4 Jahreszeiten hat, verfügt über Wissen zur Ökologie und Verwendung von Heckensträuchern als lebendige Klimamessgeräte und versteht praktisch nutzbare Zusammenhänge zwischen der Naturentwicklung und dem Klimawandel.
Die Ausbildung inkludiert zwei mehrstündige Workshops mit Exkursionen im Grünen sowie Gratismaterialien und -unterlagen. Teilnehmen können Erwachsene, die Interesse und Freude an unseren Pflanzen und Tieren sowie am Naturbeobachten von Hecken haben und anderen Weinviertler:innen gerne davon erzählen. Spezifische Vorkenntnisse sind für die Kursteilnahme nicht erforderlich.
Beim INFOABEND am 12. Februar 2025 in der Bildungsakademie Weinviertel in Gaweinstal erfahren Sie nach einem IMPULSVORTRAG der Topexperten Thomas Hübner von der GeoSphere Austria und Klaus Wanninger von LACON bei jungem Wein und Gebäck alles Wichtige zur Ausbildung. Beim Impulsvortrag, der allen Interessent:innen offen steht, erzählen die Beiden, wieso der Naturkalender immer wichtiger als der Datumskalender wird, warum unsere Obstbäume und Stauden mitten im Herbst blühen und wie man selbst zum sog. Phänologen wird. Sie werden uns mit vielen Bildern und Beispielen ein- und ausreden, dass unsere Natur bald völlig aus dem Ruder läuft, das Weinviertel zur Wüste oder blühenden Oase wird, und wie man mit einem Schwarzen Holler vor der Haustüre den Klimawandel messen kann.
Im Dorfladen Sulz fanden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen die ersten beiden Ausbildungstage zum „Weinviertler Phänoguide“ statt. Jeweils zehn interessierte Teilnehmerinnen aus dem südlichen Weinviertel – von Gartenliebhabern über Pflanzenbegeisterte bis hin zu Pädagoginnen – nahmen an der praxisnahen Schulung teil.Die Veranstaltung fand in unmittelbarer Nähe zur phänologischen Hecke und dem phänologischen Naschgarten statt – ein idealer Lernort, um die natürlichen Jahreszeiten im Wandel der Zeit zu beobachten.Unter dem Motto „Früher war alles später“ wurde deutlich: Der Klimawandel verschiebt den natürlichen Lauf der Jahreszeiten.
In der Ausbildung wurden Grundbegriffe wie Wetter, Witterung und Klima erklärt und in einen Zusammenhang mit der Phänologie gebracht – der Wissenschaft von regelmäßig wiederkehrenden biologischen Ereignissen in der Natur, etwa dem Blühbeginn von Pflanzen oder dem Vogelzug.Diese sogenannten Zeigerereignisse geben wertvolle Hinweise auf klimatische Veränderungen und spielen eine zentrale Rolle in der Klimaforschung. Pflanzen und Tiere sind dabei zuverlässige, wartungsarme „Messinstrumente“ – kostenlos, in großer Zahl vorhanden und weltweit vergleichbar.„Wir möchten die Teilnehmer*innen mit dem einfachen Werkzeug der Naturbeobachtung ausstatten – es ist direkt vor unserer Haustür und zugleich von unschätzbarem Wert für die Klimaforschung“, so KLAR!-Manager Alexander Wimmer.Die Teilnehmer*innen lernten, wie wichtig es ist, ihre Naturbeobachtungen strukturiert zu dokumentieren.
Eingemeldet werden diese über die Naturkalender-App der GeoSphere Austria – „Eine wichtige Datenquelle für Wissenschaft und Forschung“, bekräftigt Thomas Hübner, einer der Ausbildungsleiter.Die Ausbildung ist eine Maßnahme der Klimawandelanpassungsmodellregion (KLAR!) Südliches Weinviertel und Teil des regionalen Anpassungskonzepts. Ziel ist es, das Wissen über natürliche Jahreszeitenverschiebungen weiterzutragen und Bewusstsein zu schaffen – mit einem echten Multiplikationseffekt.Ein Teilnehmer bringt es auf den Punkt: „Ich freue mich sehr über die Teilnahme und die Möglichkeit, da ich dieses Wissen mit in meine Arbeit als Lehrer einfließen lassen kann.“
Die Phänologie verbindet moderne Wissenschaft mit altem Erfahrungswissen: Schon in früheren Zeiten beobachteten Menschen den Lauf der Natur – etwa mit Bauernregeln und Lostagen. Hecken galten dabei über Jahrhunderte als natürliche Kalender – mit geballtem Wissen aus über 10.000 Jahren Naturbeobachtung.Wer genau hinsieht, entdeckt nicht nur die Veränderungen des Klimas, sondern auch die Schönheit im Detail. Und das macht die Phänologie nicht nur wissenschaftlich wertvoll, sondern auch persönlich bereichernd.
Am zweiten Ausbildungstag im Dorfladen Sulz stand die praktische Anwendung der Phänologie im Mittelpunkt. Die angehenden „Weinviertler Phänoguides“ erhielten nicht nur tiefere Einblicke in die Beobachtung natürlicher Jahreszeiten, sondern auch konkrete Impulse für die Vermittlung dieses Wissens – sei es im eigenen Garten, in der Schule oder bei Führungen in der Region. Der Tag begann mit einer herzlichen Begrüßung und einem interaktiven Einstieg unter dem Titel „My Phäno“, bei dem die Teilnehmer*innen ihre persönlichen Erfahrungen und Naturbeobachtungen teilten. In der Runde „Phänogschichten“ wurde deutlich, wie eng Naturwahrnehmung, Alltagswissen und individuelle Erlebnisse miteinander verknüpft sind – und wie wichtig es ist, dieses Erfahrungswissen weiterzugeben. Ein zentrales Element des Tages war der offene Austausch zu praktischen Fragen und Herausforderungen der Naturbeobachtung im Alltag. Dabei zeigte sich einmal mehr, wie wertvoll der Dialog zwischen den unterschiedlichen Teilnehmer*innen ist – vom naturinteressierten Hobbygärtner bis zur engagierten Lehrkraft. Abgerundet wurde der Tag mit dem Modul „Tipps und Tricks für die Naturvermittlung“: Wie spricht man unterschiedliche Zielgruppen an? Was weckt Neugier, was öffnet die Sinne? Die Teilnehmer*innen entwickelten erste Ideen, wie sie ihr Wissen künftig weitergeben wollen – praxisnah, lebendig und verständlich. Die Ausbildung schloss mit einer feierlichen Urkundenverleihung, bei der alle Teilnehmenden als frisch zertifizierte „Weinviertler Phänoguides“ geehrt wurden.
Ausblick: Die Ausbildung markiert nicht das Ende, sondern den Beginn eines kontinuierlichen Austauschs. Die neuen Phänoguides werden sich künftig regelmäßig treffen und ihr Wissen vertiefen. Darüber hinaus stehen sie als engagierte Ansprechpartnerinnen für Naturbeobachtung und Klimawandelanpassung in der Kleinregion Südliches Weinviertel zur Verfügung – als wichtige Multiplikatorinnen für eine bewusste, klimaresiliente Zukunft.
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